erster Dialog

Wir hatten zum 17.04.2015 um 18 Uhr im Restaurant „il calice“ am Walter-Benjamin-Plaztz 4, 10629 Berlin in einem abgetrennten Meetingraum eingeladen.

Es war eine Dolmetscherin anwesend, die sich trotz zum größten Teil fortgeschrittener Deutschkenntnisse der Flüchtlinge als sehr hilfreich erwies.

Der Zeitplan sah ein Ende der Sitzung um 20 Uhr vor, mit einer anschließenden Einladung zum Abendessen und zu weiteren persönlichen Gesprächen.

 

Um 18.15 Uhr wurde die Sitzung von Bashar Hassoun mit einem Willkommensgruß eröffnet.

Anschließend wurde von Paul Schmitz die Zielsetzung dieses Treffens beschrieben, die sich zusammenfassend auf folgende Kernpunkte beschränken sollte:

Anhand der einzelnen Teilnehmer konkret- aber auch ganz allgemein- über die beruflichen Einstiegsmöglichkeiten von Flüchtlingen zu diskutieren.

Unabhängig von berufsrechtlichen Fragen, zB. der Anerkennung ausländischer Qualifikationen- Optionen für einen „niederschwelligen“ Berufseinstieg zu erarbeiten.

Zu diskutieren, inwieweit der „Netzwerkgedanke“ bei solchen Lösungsansätzen eine Rolle spielt.

Daraufhin stellten sich zunächst- in Bezug auf ihre Qualifikation und Berufspraxis- die deutschen Teilnehmer vor. Wobei diese auch hinsichtlich der Tatsache eingeladen wurden, dass sie erfahrungsgemäß sehr gut vernetzt sind.
Anwesend waren:

 

Frau Babel (VWL Studentin, Deutsch-Syrerin und Übersetzerin)

Marvin Geilich ( Politologe, Politikberater, Geschäftsführer der TAKTGEBER Strategie und Management GmbH)

Knut Miehe ( Rechtsanwalt)
Christel Schmitz-Wirsig (Ärztin)
Ilka Käthe (ehemals Breat&Butter GuestManagement, Gründerin einer Messeagentur i.G.)

Ricardo Mählmann ( in Stellvertretung von Hans Stier, in der Funktion als Gründer und Geschäftsführer „bonaverde Kaffee“)

David di Bijaoux ( Gründer und Geschäftsführer „discovery fernreisen“)

Antje Ipsen-Wittenbecher (Senatsverwaltung für Bildung)

Joan Schmitz ( als Mitinitiatorin)

Paul Schmitz ( Rechtsanwalt und Initiator)

 

Die Teilnehmer auf Seiten der Flüchtlinge stellten sich dann in Bezug auf ihre Qualifikationen und ihre Vorstellungen von einer beruflichen Zukunft in Deutschland vor.

Anwesend waren:

 

Herr Al Mahfoud (Architekt)
Herr Yazigi ( Mathematiker, Informatiker, CISCO Betriebstechniker)
Herr Turk ( Koch und Lebensmittelgroßhändler)
Herr Bitar (Pharmazeut)
Herr Almuhamad (Allgemeinmediziner)
Herr Hakimeh sen. (Großhändler Autoteile)

Herr Hakimeh jun. (studierter Informatiker, Großhändler Autoteile)
Frau Dada ( Bankkauffrau)
Herr Hassoun ( Einzelhändler, Initiator)

 

 

Anschließend wurde bis 20.15 Uhr eine offene Diskussion geführt, die auf folgende Kernpunkte zusammengefasst werden kann:

- die syrischen Teilnehmer sehen es als erstes Ziel an, Ihre Deutschkenntnisse zu erweitern.

Hier wurde mehrfach eingewandt, dass eine wie auch immer geartete Form von Teilnahme an der Arbeitswelt beim Spracherwerb eine sehr hilfreiche Ergänzung zum Besuch der Sprachschule sein kann.

 

- Es wurde von den syrischen Teilnehmern der Alltag mit der deutschen Bürokratie beschrieben, wobei sich die Schwierigkeiten auch beim „Papierkrieg“ mit Hilfsorganisationen wie der Caritas oder AWO zeigen.

Von Seiten der deutschen Teilnehmer wurde hier eingewandt, dass auch für sie alle der Umgang mit deutschen Behörden teilweise ein Hürdenlauf sei. Dass Jobcenter, Caritas etc durch die immense Anzahl an Flüchtlingen an die Grenze ihrer Kapazitäten stoßen.
In diesem Zusammenhang ging es darum den syrischen Teilnehmern zu vermitteln, dass sich die Idee zu einer Eigeninitiative eben auch aus der Erkenntnis heraus entwickelt hat, dass die staatlichen Institutionen bei der Integration der hohen Anzahl von Zuwanderern überfordert sind. Dass dieses Treffen auf einem zivilgesellschaftlichen Gedanken basiert, dass jeder Einzelne hier gegenüber jedem einzelnen Flüchtling effektiver helfen könnte, als der Staat. Dass es sich bei der Initiative um keine staatliche Initiative handelt.

 

-Anschließend wurde über die tatsächlichen Hürden bei dem Einstieg in die Arbeitswelt diskutiert. Anhand des Beispiels des anwesenden Arztes, Apothekers und Architekten wurden die Probleme der Anerkennung ausländischer Qualifikationen diskutiert. Den syrischen Teilnehmern waren Möglichkeiten wie z.B das „foreign skills approval“ Verfahren der IHK weitest gehend unbekannt

 

- Die Frage der Anerkennung von Qualifikationen führte zu einer Debatte über Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt. Anhand der Veränderungen in der Arbeitswelt wurde von den deutschen Teilnehmern berichtet, dass Flexibilität auch für sie eine hohe Notwendigkeit darstellt.
Die Beispiele der anwesenden Gründer und Unternehmer ( TAKTGEBER, bonaverde, Discovery Fernreisen) haben verdeutlicht, dass Flexibilität und Kreativität auch in ihren Fällen zu einem Erfolg, fernab von herkömmlichen Qualifikationen geführt haben.

 

-Dann wurde anhand des Beispiels von Einwanderern aus der Türkei, Vietnam und dem ehemaligen Jugoslawien dargestellt, dass die bisherigen Einwanderergruppen nach Deutschland im Bereich des Unternehmertums, z.B. des Einzelhandels und  der Gastronomie, Erfolgsgeschichten einer Selbständigkeit in Deutschland geschrieben haben. Und dass –abgesehen von Finanzierungsfragen- solche Gedanken zB. für den Lebensmittelgroßhändler auch hier ihre Berechtigung haben.

 

- Abschließend wurde noch mal Zusammengefasst:
Der Einstieg in einen vollwertigen, gleichartigen Beruf wie er in Syrien ausgeübt wurde, ist aufgrund der Anerkennungsschwierigkeiten und der Sprachbarrieren besonders schwierig bei Akademikern, die hier unter die sog. Katalogberufe fallen.

Bei kreativen Berufen, IT`lern etc, die keinen so strengen berufsrechtlichen Voraussetzungen unterfallen, ist ein vollwertiger oder niederschwelliger Berufseinstieg einfacher.
In allen Fällen geht es aber darum kreative, flexible Lösungen zu finden. Um im Rahmen zB. eines unbezahlten Praktikums, einer Hospitation die Fühler in die Arbeitswelt auszustrecken. Mit der Möglichkeit damit

-die Sprachkenntnisse zu erweitern,

-am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen,

-sich hierdurch weiter zu vernetzen,

wodurch sich dann schlussendlich vollkommen neue Möglichkeiten für einen Berufseinstieg ergeben könnten.

 

 

 

Die offizielle  Diskussion wurde dann beendet.
Wurde aber noch bis ca. 21 Uhr individuell weitergeführt.
Ab 21 Uhr verließen die ersten Teilnehmer das Treffen.
Ca. 10 der Teilnehmer blieben dennoch bis ca. 0.00 Uhr zum Essen.
Gerade dieser Teil hat uns in unserem Bestreben bestätigt. Es wurde Kontaktdaten ausgetauscht und erste Kontakte intensiviert

 

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